(Deutsch) Bericht zum “Gespräch in Bewegung” vom 22.Mai 2016

31 May

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Das Gespräch in Bewegung.

Aus dem Reden sind wir nicht herausgekommen, und gegangen sind wir weit, am 22. Mai.

Es kamen einige Menschen zusammen bei der Hitze des beginnenden Nachmittags, 14 Uhr, am WeltRaum in Jena. Junge Männer und Frauen, einzeln und als Familie, viele Kinder, aus Syrien, Afghanistan, Irak, dem Kosovo, Albanien, Deutschland. Die Kinder rannten und tobten, wir Erwachsenen waren wie unsere eigenen gegenseitigen Synapsensitter, ja, das trifft es. Denn viele kamen mit ihrer Organisation im Gepäck, weil sie es einfach gut finden, das zu tun: Heimatbund Thüringen e. V., MigraNetz Thüringen, FreiRaum e. V., das Akademische Auslandsamt der Ernst-Abbe-Hochschule, GeoDome. Ja, und dann gingen wir, anfangs mit vielen Pausen, weil immer mehr dazukamen, oder wir irgendwo klingelten, bis auf den Berg. Also: Gespräch in Bewegung.

Bilder: Charlotte Rauschenbach, Benjamin Voigt, Lars Polten

 

Wir hatten uns eingeteilt: die einen sagen denen Bescheid, die anderen jenen, jeder nimmt Essen, viel Trinken, eine Tasse, Besteck, und Sitzdings mit, und dann treffen wir uns am WELTRAUM. Dann beim Abholen hier ein Frühstück: „Komm rein mein Freund, fünf Minuten!“ – Diverses von Tellern und aus Töpfen, genial. Nächste Familie, nächstes Essen, und das Handy schwitzt schon in der Hand. ‘Mist, wir treffen uns doch jetzt gleich!’ Hin zum WeltRaum, noch Kinder geholt, alle warten schon. Über weitere Treffpunkte in der Stadt immer mehr Leute. Manche kommen nicht hinterher, wegen der Sonne, andere kamen zu spät, doch immer wieder stoßen neue dazu. Die Leutra hinterwärts, Spielplatz, und viel Reden, um sich einander bekannt zu machen. Viele Organisationen waren dabei, und überall herzliche Menschen dahinter, die irgendwann berichten, und ins Reden kommen. Wir naschen einiges, Würstchen in Teigmantel, Kekse, und der Zeitungsmann kommt kaum noch aus dem Schreiben heraus. Was es nicht alles gibt: Was das Auslandsamt der Abbe-Hochschule so treibt, was der Heimatbund alles macht und gemacht hat, wie es im FreiRaum läuft, und welche Initiativen hier dahinter stehen. Man kommt nicht hinterher mit Reden. Wo GeoDome seine Kuppeln plant, und welche Partner hier stetig dazu kommen. Weiter hinten gehen die Kinder ins Wasser, eines gänzlich, nun gut, wir haben Decken mit. Was das MigraNetz alles macht und welche Leute hier dahinter angagiert sind. Und zwischendrin Kippchen, und Fotos, und woanders weiter geredet, und immer mal begrüßt und verabschiedet. Und dann wird’s immer wärmer, und die Gruppe dünnt aus, manche langweilen sich, aber die Kinder finden’s obercool. Und dann eben manchmal so was:

Weißt du mein Hund ist gestorben. Es waren viele Bomben. Und mein Opa ist auch gestorben.“

„Der Papa von der deiner Mama oder der Papa von deinem Papa?“

Der Opa von meinem Papa, aber die Schildkröte lebt noch.“

Der letzte Asprung der Tour sollte der Cospedaer Grund werden. Stärkende Worte an die letzten ca. neun Erwachsenen, die neun Kinder brauchen keinen äußerlichen Antrieb. Wir stiefeln aufwärts, und dann weiß ich nichts mehr, irgendwie begann das Draußensein richtig, und das Gedächtnis zeichnete nicht mehr auf, bums, Schluss. Es geht steitig aufwärts, manche Heimaterinnerung wird geweckt:

Wenn das so weit weg ist, muss ich auf meine Berge klettern. Weil ich auch einen echten Berg habe.“

„Du hast einen echten Berg?“

Davon kann ich alles sehen, wo ich möchte.“

„Wo ist der Berg?“

Na nach Hause!“

„Zu Hause?“

Er ist ganz riesig groß!! Dann kletter ich hoch, und sehe wo ich möchte, und da gehe ich runter und renne, bis dort.“

Bilder: Charlotte Rauschenbach, Benjamin Voigt, Lars Polten

 

Oben bauten wir eine Tafel auf, ja, und was gab’s alles? Von allem was: von Gummitieren über Muffins und Milchreis, über selbstgebackene Brote und Fladen hin zu Käse und Wurst, selbstgemixte Aufstriche und mehrere Kannen Kaffee, gesüßt und schwarz, mit Kardamom, eingekocht oder aufgegossen, alles. Über die besonnten Wiesen trieben wir hinfort, die Zeit schritt dahin. Wir verlangsamten den Gang im gleißenden Licht, hin auf den Wald zu, und mit der beginnenden Kühle fingen die Kinder wieder zu rennen an. Den Rest ließen wir weg, Landgrafenaussicht, Waldspielplatz, sondern gingen stetig in die Stadt, langsam die Füße auf den vielen Stufen setzend. Die einen in jene Unterkunft, die anderen in die nächste, dann noch schnell die Haare am Brunnen beim Johannistor benetzt. Die letzten Kinder haben müde Augen jetzt, und doch gibt es noch ein Abendbrot beim Heimbringen, Kartoffelbrei und Salat, Hähnchenschenkel und Brot, und dann noch ein Getränk bei denen, die es in der Johannisstraße sitzend ausklingen lassen. Bevor sich der Himmel des Tages in der Nacht entlud, und Regen und Blitze alle in den Schlaf begleiteten.

Bilder: Charlotte Rauschenbach, Benjamin Voigt, Lars Polten

 

Das Projekt ‘Gespräch in Bewegung‘ entstand im Flüchtlingsfreundeskreis Jena und WeltRaum Jena. Gefördert wird es vom Heimatbund Thüringen e. V. (siehe auch auf dem Plakat die im Heimatbund beteiligten Förderer und Projektpartner) und in ideeller und unterstützender Partnerschaft mit GeoDome Biostructures, Akademisches Auslandsamt der Ernst-Abbe-Hochschule, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Kontaktkreis Migration der katholischen Pfarrgemeinde St. Baptist Jena, Abantu Kulturlabor, Deutscher Alpenverein Sektion Jena, Demokratischer Jugendring e.V., FreiRaum e. V.

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